29. Juni 2016

Die Amseln werden flügge

Eben noch hatten die Amselkinder kaum Federn und waren absolut hilflos. Und nur vier Tage später war das Federkleid komplett, sie sind enorm gewachsen und unternahmen schon erste Flugversuche. Absoluter Wahnsinn, wie schnell das gegangen ist! Für eins der Vogelkinder waren diese Schritte in die Selbstständigkeit allerdings ein stressiges Abenteuer. Aber der Reihe nach.





Morgens rief meine Tochter an und erzählte, dass ein Jungvogel aus dem Nest gefallen sei. Rausgefallen war er wahrscheinlich nicht, sondern hatte gerade begonnen fliegen zu lernen und ist dabei nun mal auf dem Boden gelandet. Er war unverletzt, munter und agil. So hat sie ihn in Ruhe gelassen und nur beobachtet. Das ist auch dringend anzuraten. Diese vermeintlich verlassenen Vogelkinder sollte man unbedingt dort belassen, wo man sie findet und auf keinen Fall mit nach Hause nehmen. Die Vogeleltern kehren zurück und versorgen die Jungen auch weiterhin.

Kinder sind neugierig. Tierkinder bilden da keine Ausnahme. Durch die einladend offene Terrassentür hüpfte die kleine Amsel plötzlich in die Küche, war wieselflink mal hier und mal da, fand aber nicht mehr den Weg zurück nach draußen. Die Küche hat blöderweise keine Tür, so dass der Weg in den Rest der Wohnung nicht versperrt werden konnte, was das kleine Viech auch ausnutzte. In den Weiten der übrigen Wohnung, gemessen an seiner Körpergröße, konnte man ihm erst recht nicht beikommen. Watt nu? Der Kleine musste zurück zu seinen Eltern, meine Tochter aber zur Arbeit und hatte keine Zeit mehr sich um das Vögelchen zu kümmern. Auch wenn ich meinen Tag zwar anders geplant hatte, ich hatte Zeit und konnte einspringen. Die Familienzusammenführung der Piepmätze hatte nun mal absoluten Vorrang. Also hab ich versucht, der kleinen Amsel wieder in die Freiheit zu helfen. Terrassentür aufgemacht in der Hoffnung, das Gezwitscher der Eltern lockt den Kleinen nach draußen. Nöö. In alle möglichen und unmöglichen Ecken hat er sich verkrochen. Unterm Bett ist er hin und her gehüpft, auf der Couch hat er gesessen. Selbst im Schuhschrank hat er eine Lücke entdeckt, durch die er reinschlüpfen konnte. Immer wieder musste ich auf sein Piepen warten, damit ich hören konnte, wo er denn jetzt schon wieder war.






An fangen und nach draußen tragen war nicht zu denken. Ständig auf der Flucht. So klein und doch so flink. Kaum saß er mal an einem Platz, war er auch schon wieder weg.




Irgendwann waren Anzeichen von Müdigkeit zu erkennen, und ich habe es geschafft, ein Nudelsieb über den kleinen Vogel zu stülpen. Langsam und vorsichtig habe ich das Sieb Richtung Terrassentür geschoben, und der Piepmatz ist mitgehüpft. Auf der Zielgeraden hat er dann auf einmal beschlossen, er will nicht mehr. Hat sich nicht mehr weiter bewegt. War nix zu machen. Einfach weiterschieben mochte ich nicht. Ich wollte dieses kleine, zarte Wesen auf keinen Fall verletzen. Wenn ich das Sieb angehoben hätte um den Vogel zu greifen, wäre er durch den Spalt mit Sicherheit entwischt. Ich habe vorsichtig eine stabile Pappe untergeschoben und konnte ihn glücklicherweise so nach draußen tragen und wieder in seine vertraute Umgebung entlassen.



Aber weit und breit war weder von den Amseleltern noch von den Geschwistern was zu sehen oder zu hören. Der Kleine hat gerufen und gerufen. Dem Himmel sei Dank ist dann doch der Amselpapa aufgetaucht.





Das Wiedersehen der beiden war göttlich. Wie sie sich gegenüber standen und der kleine Ausreißer
den Schnabel aufriss als wollte er sagen: "Warum bist du nicht gekommen?!! Ich habe die ganze Zeit gerufen, aber du warst nicht da!"



Die Menschenbehausung schien dem Kleinen gefallen zu haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass er immer wieder sehnsüchtig zur Tür rein schaute? Es sah fast so aus, als würde er drum betteln, wieder rein zu dürfen.




Das Nest ist jetzt leer und fast wehmütig müssen wir feststellen, dass auch die Terrasse nur noch hier und da mal aufgesucht wird.









             

26. Juni 2016

Diabetes garantiert!

Habt ihr schon mal kleine Vogelkinder aus nächster Näher beobachtet und aufwachsen sehen? So richtig nah? Wir hatten in den letzten Tagen das Glück.
Auf der Dachterrasse meiner Tochter hat sich in den Balken der Überdachung ein Amselpärchen sein Nest gebaut. Die Terrasse wird oft genutzt. Dort wird gegessen, gearbeitet, gefeiert. Da ist also fast ständig was los. Davon ließen sich die Amseln aber weder beim Brüten noch beim Füttern des Nachwuchses stören. Hier und da kam es sogar vor, dass sie nur haarscharf über den Köpfen der Anwesenden hinwegflogen.

Die Geburtsstunde der Amselkinder durften meine Tochter und mein Schwiegersohn miterleben. Wenn man ganz leise war, konnte man tatsächlich hören, wie die Eierschalen auseinander knackten. Nach jedem Knacken war kurz darauf ein zaghaftes Piepen zu vernehmen. Zuckersüß, wie die stolze Amselmama vom Nestrand aus ihren Nachwuchs ausgiebig bewundert hat. Ich wär so gern dabei gewesen!
Die leeren Eierschalen wurden von der fürsorglichen Amselmama nicht einfach nur aus dem Nest katapultiert, sondern an einen entfernteren Ort geflogen. Auch der Kot der Jungvögel wurde auf diese Weise entsorgt. Sehr schlau! Fressfeinde werden so nicht auf das Nest aufmerksam gemacht.
Nachdem die Jungen geschlüpft waren, vier Stück an der Zahl, tauchte auch der Amselvater wieder auf. Das Brutgeschäft war Frauensache, aber die Versorgung der Jungvögel übernahmen beide gemeinsam.




Bei einem Familiengrillen konnten auch wir die Aufzucht der Vogelkinder aus nächster Nähe beobachten. Es regnete zwar, aber egal. Regen hin, üsseliges Wetter her. Grillen war geplant, also wurde gegrillt. Da sind wir konsequent. Um trocken zu bleiben, mussten wir den Tisch so weit unter die Überdachung schieben, dass sich das Nest fast über uns befand. Die frischgebackenen Vogeleltern waren ja Gott sei Dank nicht menschenscheu und fütterten die Kleinen trotz unserer Anwesenheit. Unser Essen geriet dabei zur Nebensache, obwohl unsere Tochter als Salat- und Beilagenfee und unser Schwiegersohn als Grillmeister richtig lecker aufgetischt haben. Aber wann hat man schon mal die Gelegenheit so was zu sehen.

Amselmännchen und Amselweibchen brachten abwechselnd Futter. Kurios zu beobachten, wie unterschiedlich beide dabei vorgingen. Das Männchen stopfte die Würmer einfach in die Schnäbel, die es am bequemsten erreichen konnte. Das Weibchen verteilte das Futter gleichmäßig. Ihr Gerechtigkeitsinn ging sogar so weit, dass sie, was Papa dem falschen gegeben hat, kurzerhand wieder aus dem Schlund zog und einem zu kurz gekommenen Piepmatz verabreichte.




Übrigens - wusstet Ihr, dass Amseln zählen können? Vergesst Zirkusponys, die angeblich Rechenaufgaben lösen. Das ist eingeübt und beeindruckt nur Kinder. Amseln - das sind die stillen Stars! Die Amselmama hatte für ihre vier Kinder tatsächlich vier!!! Beeren im Schnabel. Wie genial ist das denn?! Okay, war Zufall. Aber erstmal bleibt einem vor Staunen der Mund offen stehen.

Die Schnäbel der kleinen Piepmätze waren permanent nach oben gereckt, damit um Himmels Willen bloß keine Mahlzeit verpasst wurde. Geschlossen waren sie nur, wenn die Augen langsam zu fielen, der Kopf schwer und schwerer wurde und ganz langsam auf den Nestrand sank. Nach einem kurzen Powernapping war der Überlebenstrieb wieder wach und es wurde weiter um Futter gebettelt.


         






Unfassbar schnell sind aus den federlosen Winzlingen große Vögel geworden (für Amselverhältnisse). Eins der Kleinen hat uns auf seinem Weg in die Selbstständigkeit in ziemliche Aufregung versetzt. Aber davon erzähle ich Euch das nächste Mal.





20. Juni 2016

Vanillepudding selbstgemacht - ohne Farbstoffe und künstliche Aromen

Ich habe ein allergisches Kind. Deshalb war ich irgendwann gezwungen, penibel darauf zu achten, was bei uns auf den Tisch kommt. Die ersten Einkäufe nach der Diagnosestellung waren unglaublich zeitraubend. Jede Zutatenliste musste genauestens studiert werden. Mal eben auf die Schnelle irgendwo was essen war nicht möglich. Damit nichts im Essen ist, was das Kind nicht verträgt, wurde grundsätzlich selbst gekocht.




Ab und an musste selbstverständlich auch was Süßes her. Pudding geht bei meiner Familie immer und ist schnell gemacht. Um sicher zu stellen, dass er auch vertragen wird, wird er seitdem nach Großmutters Art gekocht. Nicht von Dr. O. aus der Tüte, sondern mit reiner Maisstärke. Wobei in den fertig portionierten Tütchen ja auch nur Stärke drin ist. Und eben künstliche Farb- und Aromastoffe. Nehmt aber tatsächlich Maisstärke, keine Kartoffelstärke. Mit Kartoffelmehl bekommt der Pudding eine unappetitliche Konsistenz.
Will ich Vanillepudding kochen, kommt echtes Vanillemark rein. Die Schote wird nicht weggeworfen, sondern landet in der Zuckerdose. Der Zucker nimmt so das Vanillearoma an und ich habe auch zum Backen natürliches Vanillearoma zur Verfügung.

Hier das Rezept für Vanillepudding:

1l Milch
60-70 g Maisstärke
4 El Zucker
das Mark einer Vanilleschote
1 Prise Salz
eventuell 2 Eigelb



                                       
                           Das Stärkemehl mit etwas Milch glatt rühren.



Die restliche Milch mit dem Zucker und dem Vanillemark aufkochen. Den Topf vom Herd nehmen, das angerührte Stärkemehl zügig mit dem Schneebesen unterrühren. Dann das Ganze erneut aufkochen.





Der Pudding hat natürlich nicht die schöne gelbe Farbe wie man sie vom Tütenpudding kennt. Wenn das stört, kann man verquirltes Eigelb unterrühren und alles nochmal kurz aufkochen.



Den Pudding in eine Schüssel oder in Gläser füllen. Besonders lecker ist der Vanillepudding mit frischen Erdbeeren.







17. Juni 2016

Herrliche Blütenwolken

Ich hasse es, wenn ständig übers Wetter lamentiert wird. Mal ist es zu kalt, dann zu warm. Mal zu trocken, dann wieder zu nass. Kein Schnee, zuviel Schnee. Dir geht's heute nicht so gut? Hach ja, kein Wunder bei dem Wetter! Ich finde, et kütt wie et kütt. Damit wir uns nicht falsch verstehen - wer von Hochwasser und sonstigen Naturgewalten betroffen ist, hat allen Grund zu klagen.

Ich muss gestehen, so allmählich schlägt auch mir das Wetter aufs Gemüt. Was für ein stimmungsaufhellender Anblick ist doch da mein Frauenmantel. Sonnige, gelbe Blütenwolken, die weit übers Beet hinausragen. Ein Traum! Im Laufe der Jahre hat er sich an vielen Stellen im Garten ausgebreitet und damit dafür gesorgt, dass er auf keinen Fall übersehen wird. Mit seinem niedrigen Wuchs und den filigranen, überhängenden Blütenständen ist er die ideale Randbepflanzung im Staudenbeet. Beim Rasen mähen muss man allerdings aufpassen, dass man die Blüten nicht mit absäbelt.

Gelb kann als Begleitfarbe, wenn sie zu knallig daherkommt, recht schwierig sein. Das Gelb des Frauenmantels ist jedoch sehr dezent und nimmt sich mit seinen filigranen Blüten so weit zurück, dass er wunderbar mit anderen Farben und Blütenformen harmoniert.







Wenn sich die Regentropfen auf den weichen, herzförmigen Blättern sammeln, macht er selbst bei schlechtem Wetter noch eine gute Figur.







Wenn die Blüten unansehnlich werden, schneide ich alles bodennah zurück, also auch die Blätter. Eine Portion Dünger ist danach sehr willkommen.  Die Pflanze treibt dann wieder neu aus und bleibt kompakt. Mit etwas Glück kommt es zu einer nochmaligen Blüte, die dann allerdings nicht mehr so üppig ausfällt. Wenn man nicht möchte, dass der Frauenmantel sich aussät, sollte man ihn bevor sich die Samen bilden, zurückschneiden. Pflanzen, die irgendwann zu groß werden, kann man im Herbst oder Frühjahr problemlos teilen und wieder neu einpflanzen.

Selbst in der Vase ist Frauenmantel ein perfekter Partner. Auch mit wenigen Blüten kann man sich quasi den Garten ins Haus holen.







10. Juni 2016

Jungvogelsterben durch Pestizide

Vor einigen Tagen stieß ich in der Tageszeitung auf einen Artikel des NABU. Etliche Personen hatten dort angerufen und von toten Meisen in ihren Nistkästen berichtet. Lt. NABU ist dies auf einen vermehrten Einsatz von Pestiziden in privaten Hausgärten zurückzuführen. Vornehmlich, wenn Rosen von Blattläusen befallen sind, ist die chemische Keule scheinbar schnell zur Hand. Mit fatalen Folgen. Die Meiseneltern füttern ihre Brut sowohl mit den Blattläusen als auch mit Insekten, denen Blattläuse als Nahrung dienen. Dadurch gelangen die versprühten Pestizide ins Futter der kleinen Piepmätze, die dann daran verenden.




Blattläuse lassen sich aber durchaus sanft bekämpfen. Die dicken schwarzen kann man einfach abstreifen oder mit einem scharfen Wasserstrahl wegspritzen. Aber bitte vorsichtig genug, um den zarten Rosentrieb nicht abzubrechen.

Dann gibt es noch die kleinen weißen Viecher, die auf den Pflanzen einen klebrigen Film hinterlassen. Bei mir sitzen die auch gerne auf den Lupinen.




Jeder Profigärtner wird sich wahrscheinlich schlapp lachen, aber ich koch den Tierchen einen Pott Kaffee. In eine Sprühflasche gefüllt und dann gib ihm. Wenn der Befall schon weiter fortgeschritten ist, verteile ich den Kaffee mit der Gießkanne über der Pflanze. Einfach mal ausprobieren. Schaden kann es ja nicht.

Vorbeugend sollte man Nützlingen wie z. B. Marienkäfern, Ohrwürmern und Schwebfliegen einen Lebensraum bieten. Dazu kann man entsprechende Nisthilfen im Garten integrieren. Für Ohrwürmer eignen sich mit Stroh oder Holzwolle gefüllte Tontöpfe.






Im Handel gibt es mit verschieden Materialien gefüllte Insektenhotels. Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich die auch selber bauen. Ein schönes Projekt, wenn man Kinder hat.




Auch sollte man etwas Unordnung im Garten ertragen können. Vor allem im Herbst abgeblühte Stängel nicht wegschneiden und hier und da Laubhaufen liegen lassen. Damit bietet man Tieren im Winter Unterschlupf. Mit ein bisschen laissez faire geht es Mensch und Tier gut.





5. Juni 2016

Eingerollte Rosenblätter






Ich liebe Rosen. Ach was, ich liebe alles, was grünt und blüht. Und immer, wenn ich an einem meiner Schätze irgendwelche Krankheitszeichen oder sonstige Auffälligkeiten feststelle, gerate ich innerlich in Panik. So auch, als ich an meinen Rosen das erste Mal solche Blätter entdeckte.




Also Blatt abgezupft und umgehend den Gärtner meines Vertrauens aufgesucht. Ich kann dann unmöglich ein oder zwei Tage warten. Das muss sofort abgeklärt werden! Um es gleich vorweg zu nehmen, das ist nicht schlimm und bedeutet nicht den Tod der Rose. Hierfür verantwortlich ist die Rosenblattrollwespe. Ich beobachte dieses Schadbild immer von ca. Anfang Mai bis Anfang Juni. Und nur dann. Später im Jahr tritt es nicht mehr auf. Ein Schädlingsbekämpfungsmittel zu spritzen ist nicht erforderlich. Es reicht, wenn man die befallenen Blätter einfach abschneidet und entsorgt. Die Rose treibt dann wieder gesund durch.






Das ist meine Lieblingsrose. Nicht wegen ihrer Schönheit. Auch nicht wegen ihres Dufts. Nein, sie scheint eine echte Kämpferin zu sein. Nach vielen Wintern mit niederrheinischem Schmuddelwetter hatten wir dann doch vor einigen Jahren mal wieder Schnee und Eiseskälte. Obwohl nur mit mäßigem Winterschutz versehen, ist sie seitdem viel gesünder. Fast so, als hätte sie dem Winter sagen wollen: "Na warte, dir werd ichs zeigen! Du kriegst mich nicht klein." Sie hat jetzt deutlich kräftigere Triebe und zeigt kaum mal Anzeichen von typischen Rosenpilzen, so dass ich auch selten spritzen muss. Bei Spritzmitteln hab ich sowieso meine eigenen Rezepte. Aber dazu an anderer Stelle mehr.